Der in Frankreich geborene Carlo Schmid nimmt am Ersten Weltkrieg teil, studiert Jura und habilitiert sich an der Universität Tübingen. Das „Dritte Reich“ bricht Schmids Karriere ab, er gilt als „weltanschaulich unzuverlässig“. Im besetzten Lille kann er als Besatzungsoffizier gefährdeten Franzosen helfen. Nach dem Krieg tritt Schmid in die SPD ein, wird Justizminister in Württemberg-Hohenzollern und Vorsitzender des Hauptausschusses im Parlamentarischen Rat. Die Demokratie, so sagt er, sei mehr als eine Zweckmäßigkeitsentscheidung, sie sei etwas „für die Würde des Menschen Notwendiges“. Sie müsse auch den „Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen“. Schmid setzt die Aufnahme des Kriegsdienstverweigerungsrechts, des Rechts auf Asyl und das konstruktive Misstrauensvotum im Grundgesetz durch. Bis 1972 gehört der überzeugte Europäer dem Deutschen Bundestag an.

An diesen und weitere Wegbereiter der deutschen Demokratie erinnert das Rosgartenmuseum in seiner Sonderausstellung „„Jetzt machen wir Republik“ Die Revolution von 1848/49 in Baden“, die bis 7. Januar 2024 im Kulturzentrum am Münster zu sehen ist.