Aktuelles

Jahresvorschau 2023

Die Städtischen Museen Konstanz bieten im Jahr 2023 viele spannende Ausstellungen und Veranstaltungen an. In diesem Flyer können Sie sich vorab informieren.

Wir freuen uns auf das Museumsjahr 2023!


Relikt eines kurzen Lebens

Das bernsteinfarbig gefasste Schmuckmedaillon mit der Fotografie der 1922 geborenen Inge Thanhauser hat sich in einem Konstanzer Nachlass erhalten. Inge emigrierte 1938 mit ihren Eltern Otto und Mathilde und ihrer Schwester Ellen über Holland in die USA. Ihr Vater hatte in Konstanz gemeinsam mit seinem Bruder Hans ein Geschäft in der Kanzleistraße geführt. 1955 nahm Inge sich mit nur 33 Jahren das Leben. Ihre Schwester Ellen und deren Nachfahren hielten und halten den Kontakt zu Konstanz und helfen, die Erinnerung an die Familie Thanhauser im städtischen Gedächtnis zu bewahren.

In der neuen Dauerausstellung „Konstanz im Nationalsozialismus 1933-1945“, erinnert das Rosgartenmuseum an Menschen wie Inge Thanhauser, die Verfolgung und Unrecht erleiden mussten.


Eine Ordensschwester vor dem Volksgerichtshof

Im Oktober 1944 stand die aus dem Kloster Zoffingen stammende Ordensschwester Dr. Maria Brigitte Hilberling in Berlin vor dem Volksgerichtshof. Die Staatsanwaltschaft warf ihr „Wehrkraftzersetzung“ und „Feindbegünstigung“ vor, Verbrechen, die zu diesem Zeitpunkt unweigerlich mit der Todesstrafe geahndet wurden. Ihre Äußerung, sie halte den Verlust des Krieges für eine gerechte Vergeltung der Judenverfolgung in Deutschland, das von einer Verbrecher- und Mörderclique regiert werde, hatte zur Denunziation geführt. Doch sie hatte Glück: Die Belastungszeugen erschienen nicht, die Verhandlung musste vertagt werden. Zu einer zweiten Verhandlung kam es nicht mehr: Im April 1945 wurde Hilberling von Soldaten der Roten Armee aus dem Gefängnis befreit.

In der neuen Dauerausstellung „Konstanz im Nationalsozialismus 1933-1945“, erinnert das Rosgartenmuseum an Menschen wie Maria Hilberling, die Verfolgung und Unrecht erleiden mussten oder sich unter höchster Gefahr dem Terror des Nazi-Regimes widersetzten. 


KONSERVIERUNG UND RESTAURIERUNG DER 12 HISTORIEN-GEMÄLDE DES KÜNSTLERS CARL HÄBERLIN IM KONSTANZER RATHAUS – Teil 2

Die Restaurierung umfasst alle Maßnahmen, die die Erfahrbarkeit des Kunstobjektes verbessern. Alle Gemälde waren durch den stark gegilbten und unregelmäßigen Firnis in der Farbwahrnehmung deutlich eingeschränkt. Entsprechend war die Abnahme des Firnisses nicht nur konservatorisch, sondern auch restauratorisch notwendig. Den höchsten restauratorischen Bedarf stellte die Entfernung aller Übermalungen dar. Im Jahr 1970 überarbeitete der Künstler „K. Hodr“ alle Gemälde großzügig. Seine Arbeit belegte er durch eine Signatur. Das Ausmaß der Übermalungen war sehr groß. Der andersartige Duktus verfälschte die detailreiche und differenzierte Malerei Häberlins. Hodr veränderte sogar Einzelheiten, indem er Details wie Knöpfe und Federn der Kleidung oder einen wolkenreichen Himmel monochrom und eindimensional flächig übermalte. Nach der Abnahme aller später aufgetragener Schichten der Übermalungen und des Firnisses, befanden sich die Gemälde wieder in ihrem reinen Zustand an Originalsubstanz. In Folge der starken Überarbeitungen und des Alters, waren wenige kleine Fehlstellen vorhanden. Diese Fehlstellen wurden abschließend im Rahmen der Restaurierung plastisch und farblich integriert, um die Malerei geschlossen erfahrbar zu machen. Abschließend wurde ein neuer dünner Firnis aufgetragen, der die Gemälde künftig frontseitig vor Umwelteinflüssen schützt und der Malerei ihr Tiefenlicht und ihre Strahlkraft wiedergibt.
Bei einer fachmännischen Konservierung und Restaurierung erfolgen alle Maßnahmen unter höchster Achtung und Wahrung der Originalsubstanz. Es kommen ausschließlich reversible Materialien zum Einsatz, die die Malerei nicht angreifen oder beeinflussen.


Konservierung und Restaurierung der 12 Historien-Gemälde des Künstlers Carl Häberlin im Konstanzer Rathaus

Die freiberufliche Restauratorin Annika Maier von Ars Cura berichtet uns von ihrer Arbeit an den Gemälden des Künstlers Carl Häberlin im Konstanzer Rathaus:

Die 12 Gemälde sind in die Wandvertäfelung eingelassen und befinden sich seit ihrer Entstehung in den Jahren 1897-99 in ihrer originalen Hängung. Sie wurden durch den Künstler für diesen Ort geschaffen und zeigen bedeutende Ereignisse der Konstanzer Stadtgeschichte. Im Rahmen des Projektes wurden alle Gemälde, die je ca. 100 cm hoch und 40 bis 256 cm breit sind, konserviert und restauriert.
Die konservatorischen Maßnahmen haben zum Ziel alle vorhandene originale Substanz zu sichern. Hierzu zählt die Stabilisierung von mangelhafter Aufspannung der Bildträger durch Randanstückungen, das Schließen von Löchern durch das Einfügen von Intarsien und die Konsolidierung verlustgefährdeter Malschichtbereiche. Störendes Fremdmaterial wie Schmutz auf der Bildoberfläche und die zwischen dem Keilrahmen und der Leinwand befindlichen Schmutztaschen, welche Deformationen provozieren, wurden fachgerecht entfernt. Der vorhandene Firnis wies partiell eine hohe Eigenspannung auf, die das Risiko bürgt, die Malschicht mit vom Bildträger abzuheben. Entsprechend wurde der Firnis entfernt. Zum Abschluss wurde ein konservatorischer Rückseitenschutz aus säurefreier Wellpappe angebracht, der die Gemälde künftig vor mechanischen wie klimatischen Einwirkungen über die Rückseite schützt.