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Ermordet aber nicht vergessen: Herrmann Keller
Herrmann Keller, geboren am 8. April 1899, arbeitete zunächst als sogenannter Hausbursche und dann als Fabrikarbeiter in Konstanz. Bereits 1921/22 war er in der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau untergebracht, da er an Schizophrenie erkrankt war. Nach mehreren Wohnortwechseln wies man ihn 1931 erneut in die Anstalt Reichenau ein. Die kommenden acht Jahres seines Lebens verbrachte er dort. Im Jahr 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und dort gemeinsam mit 74 weiteren Personen vergast.
In der neuen Dauerausstellung „Konstanz im Nationalsozialismus 1933-1945“, erinnert das Rosgartenmuseum an Menschen wie Herrmann Keller, die Opfer des Nazi-Regimes wurden.
Jahresvorschau 2023
Die Städtischen Museen Konstanz bieten im Jahr 2023 viele spannende Ausstellungen und Veranstaltungen an. In diesem Flyer können Sie sich vorab informieren.
Wir freuen uns auf das Museumsjahr 2023!
Relikt eines kurzen Lebens
Das bernsteinfarbig gefasste Schmuckmedaillon mit der Fotografie der 1922 geborenen Inge Thanhauser hat sich in einem Konstanzer Nachlass erhalten. Inge emigrierte 1938 mit ihren Eltern Otto und Mathilde und ihrer Schwester Ellen über Holland in die USA. Ihr Vater hatte in Konstanz gemeinsam mit seinem Bruder Hans ein Geschäft in der Kanzleistraße geführt. 1955 nahm Inge sich mit nur 33 Jahren das Leben. Ihre Schwester Ellen und deren Nachfahren hielten und halten den Kontakt zu Konstanz und helfen, die Erinnerung an die Familie Thanhauser im städtischen Gedächtnis zu bewahren.
In der neuen Dauerausstellung „Konstanz im Nationalsozialismus 1933-1945“, erinnert das Rosgartenmuseum an Menschen wie Inge Thanhauser, die Verfolgung und Unrecht erleiden mussten.
Eine Ordensschwester vor dem Volksgerichtshof
Im Oktober 1944 stand die aus dem Kloster Zoffingen stammende Ordensschwester Dr. Maria Brigitte Hilberling in Berlin vor dem Volksgerichtshof. Die Staatsanwaltschaft warf ihr „Wehrkraftzersetzung“ und „Feindbegünstigung“ vor, Verbrechen, die zu diesem Zeitpunkt unweigerlich mit der Todesstrafe geahndet wurden. Ihre Äußerung, sie halte den Verlust des Krieges für eine gerechte Vergeltung der Judenverfolgung in Deutschland, das von einer Verbrecher- und Mörderclique regiert werde, hatte zur Denunziation geführt. Doch sie hatte Glück: Die Belastungszeugen erschienen nicht, die Verhandlung musste vertagt werden. Zu einer zweiten Verhandlung kam es nicht mehr: Im April 1945 wurde Hilberling von Soldaten der Roten Armee aus dem Gefängnis befreit.
In der neuen Dauerausstellung „Konstanz im Nationalsozialismus 1933-1945“, erinnert das Rosgartenmuseum an Menschen wie Maria Hilberling, die Verfolgung und Unrecht erleiden mussten oder sich unter höchster Gefahr dem Terror des Nazi-Regimes widersetzten.
KONSERVIERUNG UND RESTAURIERUNG DER 12 HISTORIEN-GEMÄLDE DES KÜNSTLERS CARL HÄBERLIN IM KONSTANZER RATHAUS – Teil 2
Die Restaurierung umfasst alle Maßnahmen, die die Erfahrbarkeit des Kunstobjektes verbessern. Alle Gemälde waren durch den stark gegilbten und unregelmäßigen Firnis in der Farbwahrnehmung deutlich eingeschränkt. Entsprechend war die Abnahme des Firnisses nicht nur konservatorisch, sondern auch restauratorisch notwendig. Den höchsten restauratorischen Bedarf stellte die Entfernung aller Übermalungen dar. Im Jahr 1970 überarbeitete der Künstler „K. Hodr“ alle Gemälde großzügig. Seine Arbeit belegte er durch eine Signatur. Das Ausmaß der Übermalungen war sehr groß. Der andersartige Duktus verfälschte die detailreiche und differenzierte Malerei Häberlins. Hodr veränderte sogar Einzelheiten, indem er Details wie Knöpfe und Federn der Kleidung oder einen wolkenreichen Himmel monochrom und eindimensional flächig übermalte. Nach der Abnahme aller später aufgetragener Schichten der Übermalungen und des Firnisses, befanden sich die Gemälde wieder in ihrem reinen Zustand an Originalsubstanz. In Folge der starken Überarbeitungen und des Alters, waren wenige kleine Fehlstellen vorhanden. Diese Fehlstellen wurden abschließend im Rahmen der Restaurierung plastisch und farblich integriert, um die Malerei geschlossen erfahrbar zu machen. Abschließend wurde ein neuer dünner Firnis aufgetragen, der die Gemälde künftig frontseitig vor Umwelteinflüssen schützt und der Malerei ihr Tiefenlicht und ihre Strahlkraft wiedergibt.
Bei einer fachmännischen Konservierung und Restaurierung erfolgen alle Maßnahmen unter höchster Achtung und Wahrung der Originalsubstanz. Es kommen ausschließlich reversible Materialien zum Einsatz, die die Malerei nicht angreifen oder beeinflussen.