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Georg Herwegh: Die Stimme der Arbeiter

Der 1817 in Stuttgart geborene Dichter Georg Herwegh ist eine der bedeutendsten literarischen Stimmen der frühen Arbeiterbewegung. Herwegh schrieb für verschiedene frühsozialistische Zeitungen. Er verkehrt mit Karl Marx, Heinrich Heine, später auch mit Victor Hugo und anderen Intellektuellen seiner Zeit. 1839 flieht er in die Schweiz, 1843 kauft er sich in das Bürgerrecht des Kantons Basel-Land ein. In Zürich und im Belle-Vue-Verlag Kreuzlingen erscheinen politische Betrachtungen und Gedichte, die ihn in ganz Europa berühmt machen. Gemeinsam mit seiner Frau Emma nimmt er mit der „Deutschen Demokratischen Legion Paris“ an Heckers Freischarenzug teil. In späteren Jahren ist er einer der prominenten Wortführer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) von August Bebel und Wilhelm Liebknecht. Herwegh stirbt 1875.

An diesen und weitere Väter und Mütter der deutschen Demokratie erinnert das Rosgartenmuseum in seiner Sonderausstellung „„Jetzt machen wir Republik“ Die Revolution von 1848/49 in Baden“, die bis 7. Januar 2024 im Kulturzentrum am Münster zu sehen ist.

Bild ©SNM


VErleihung der verdienstmedaille der Stadt KOnstanz

Eine Schweizerin, ein Tscheche und ein Konstanzer geehrt

Zum zweiten Mal wurde die Verdienstmedaille der Stadt Konstanz verliehen. Oberbürgermeister Uli Burchardt zeichnete die frühere Kreuzlinger Kulturbürgermeisterin Dorena Raggenbass, den langjährigen Vorsitzenden der Hus-Museumsgesellschaft in Prag, Dr. Jan Kalivoda, und den Konstanzer Textilkaufmann  Ottmar Zwicker für ihr langjähriges Förderengagement aus. OB Burchardt sagte, viele Bereiche der Zivilgesellschaft funktionierten deshalb so gut, weil Persönlichkeiten bereit seien, ihre Fähigkeiten, Verbindungen und Netzwerke zum Wohl der Stadt einzusetzen. Besonders wertvoll werde solches Engagement, wenn es über Staatsgrenzen hinweg den Gedanken einer europäischen Völkerfamilie stärke.

Dorena Raggenbass wurde für ihr Engagement als „Ermöglicherin und Förderin“ zahlreicher Kulturinitiativen geehrt. Unter anderem gehörte sie über 20 Jahre lang dem Vorstand des „Theaters an der Grenze“ an. „Mit der emotionalen Kompetenz ihres Herzens“ sei sie „zum Motor einer immer engeren Zusammenarbeit über die Staatsgrenze hinweg“ geworden, erläuterte Museumschef Tobias Engelsing als Laudator. Ottmar Zwicker engagiert sich unter anderem seit Jahrzehnten als Finanzchef der Konstanzer Museumsgesellschaft. Der Universitätsdozent Dr. Jan Kalivoda steht für die deutsch-tschechische Freundschaft nach dem Fall des kommunistischen Systems. 16 Jahre stand er an der Spitze der Hus-Gesellschaft, die mit Konstanz die Rechtsträgerin des Hus-Museums ist.


Albert Sulger: Der Gefallene aus Konstanz

Der Vater des 23-jährigen Albert Sulger ist Küfer. Das Ehepaar Felix und Christiana Sulger hat sieben Kinder, die Not ist groß. Albert erlernt das Malerhandwerk. Vater Sulger bittet die Stadt 1844 um Unterstützung, damit Albert die Kunstakademie besuchen kann, weil er doch unbedingt Kunstmaler werden will. Ein Selbstbildnis von Albert hat sich erhalten. Der in gedrückten Verhältnissen lebende junge Künstler lässt sich von der Aussicht auf bessere Lebensumstände für die Teilnahme am Heckerzug begeistern. Als die Freischaren am 20. April 1848 bei Kandern auf bayerisches und hessisches Militär stoßen, wird Albert Sulger während des Gefechts tödlich verwundet.

An diesen und weitere Protagonisten der Revolutionsereignisse der Jahre 1848/49 erinnert das Rosgartenmuseum in seiner Sonderausstellung „„Jetzt machen wir Republik“ Die Revolution von 1848/49 in Baden“, die bis 7. Januar 2024 im Kulturzentrum am Münster zu sehen ist.


Adam von Itzstein: Der bedeutendste Netzwerker

Der österreichische Staatskanzler Fürst von Metternich hält Adam von Itzstein für den „einzigen gefährlichen Mann der badischen Opposition“. Der 1775 geborene Jurist ist seit 1822 Mitglied des badischen Landtags. Im Konflikt mit der Regierung scheidet er aus dem badischen Justizdienst aus und zieht sich 1825 auf sein Weingut im Rheingau zurück. Itzstein fördert junge, republikanische Politiker, schreibt für liberale Zeitungen und unterhält ein politisches Netzwerk. Er kämpft um die Einheit zwischen Liberalen und Radikalen und gehört bis zum Ende dem deutschen Nationalparlament an. Als 1849 ein Hochverratsprozess gegen ihn droht, flieht er in die Schweiz. Baden entzieht ihm die Staatsbürgerschaft. 1855 stirbt Itzstein auf seinem Weingut.

An diesen und weitere Väter und Mütter der deutschen Demokratie erinnert das Rosgartenmuseum in seiner Sonderausstellung „„Jetzt machen wir Republik“ Die Revolution von 1848/49 in Baden“, die bis 7. Januar 2024 im Kulturzentrum am Münster zu sehen ist.


Ferdinand Freiligrath: Vom Revolutionär zum Nationalisten

Freiligraths erste Sammlung von Gedichten erschien 1838. Sein 1844 veröffentlichtes Gedicht „Ein Glaubensbekenntnis“ war ein großer Erfolg. 1844 emigrierte er in die Schweiz, wo er bei Rapperswil am Zürichsee lebte und 1845 bei Michael Schläpfer in Herisau seinen berühmtesten Band politischer Freiheitsgedichte „Ça ira!“ veröffentlichte. Nach der Revolution von 1848/49 musste Freiligrath Deutschland wieder verlassen und wurde Direktor der Londoner Filiale der Schweizer Generalbank. Nach 1868 wandelte er sich zum Nationalisten, der antifranzösische Texte veröffentlichte. Er starb am 1876 in einem Cannstatter Wirtshaus an Herzversagen.

An diesen und weitere Vordenker der Revolution erinnert das Rosgartenmuseum in seiner Sonderausstellung „„Jetzt machen wir Republik“ Die Revolution von 1848/49 in Baden“, die bis 7. Januar 2024 im Kulturzentrum am Münster zu sehen ist.